Geliebte eigene Sprachen, Gehasste eigene Sprache

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Geliebte eigene Sprachen, Gehasste eigene Sprache

Post by Creyeditor » Sun 16 Sep 2012, 22:11

Kennt ihr das Gefühl wenn man eine Idee für eine Sprache hat, nicht ganz überzeugt ist, weiter an der Idee arbeitet, immer mehr Details hinzufügt und am Ende doch nicht zufrieden ist, aber eine vollausgearbeitet Sprache vor sich hat? Eine detallierte gehasste Kunstsprache?
Oder das Gefühl, wenn man eine wirklich gut Idee hat, vielleicht auch zwei, und danach einfach nicht mehr weiter weiß. Nie mehr, obwohl man die Sprache so liebt?
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Re: Geliebte eigene Sprachen, Gehasste eigene Sprache

Post by Aeluro » Mon 17 Sep 2012, 11:32

Ab und zu bastle ich an einer romanischen Sprache und wollte sie eigentlich die Wörter von Latein her so weiterentwickeln, wie sie sich am Stück entwickelt hätten, seien es auch Zusammensetzungen und so wollte ich es auch bei späteren lateinischen Entlehnungen handhaben. Mir sind aber auch Zweifel gekommen, weil Rekomposition in anderen Sprachen oft vorkommt und herkömmliche romanische Sprachen lateinische Entlehnungen oft auch schön angeglichen haben. Zudem lässt bei ursprünglich langen Wörtern, wenn man sie gleichmäßig entwickelt, die Verständlichkeit nach, dergestalt, dass sie mit anderen Wörtern verwechselt werden können.
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Re: Geliebte eigene Sprachen, Gehasste eigene Sprache

Post by xijlwya » Mon 17 Sep 2012, 19:24

Creyeditor wrote:Kennt ihr das Gefühl wenn man eine Idee für eine Sprache hat, nicht ganz überzeugt ist, weiter an der Idee arbeitet, immer mehr Details hinzufügt und am Ende doch nicht zufrieden ist, aber eine vollausgearbeitet Sprache vor sich hat? Eine detallierte gehasste Kunstsprache?
Oder das Gefühl, wenn man eine wirklich gut Idee hat, vielleicht auch zwei, und danach einfach nicht mehr weiter weiß. Nie mehr, obwohl man die Sprache so liebt?
Ich kenne das Gefühl ziemlich genau: Meine Sprache Mága hat ziemlich strikte Designprinzipien. Daher kommt es manchmal, dass es mich nervt, weil ich meine Ideen nicht so frei da einbauen kann. Dafür ist die Sprache aber recht "einheitlich". Es kann nur ziemlich schwer sein, wenn man einmal so'n Prinzip festgelegt hat und dann alles so zurechtschieben muss, dass es geht.

Ich finde aber auch, dass "sinnvolle" Kreativität immer einen gewissen Rahmen braucht, um nicht auszuufern. Ich spiele jetzt schon mit dem Gedanken, ein Nebenprojekt anzufangen, um mal andere Ideen einzubringen und zu entwickeln.
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Re: Geliebte eigene Sprachen, Gehasste eigene Sprache

Post by Creyeditor » Mon 17 Sep 2012, 21:41

Aeluro wrote:Ab und zu bastle ich an einer romanischen Sprache und wollte sie eigentlich die Wörter von Latein her so weiterentwickeln, wie sie sich am Stück entwickelt hätten, seien es auch Zusammensetzungen und so wollte ich es auch bei späteren lateinischen Entlehnungen handhaben. Mir sind aber auch Zweifel gekommen, weil Rekomposition in anderen Sprachen oft vorkommt und herkömmliche romanische Sprachen lateinische Entlehnungen oft auch schön angeglichen haben. Zudem lässt bei ursprünglich langen Wörtern, wenn man sie gleichmäßig entwickelt, die Verständlichkeit nach, dergestalt, dass sie mit anderen Wörtern verwechselt werden können.
Ja, so ähnlich geht es mir auch. Ich habe schon oft Romlangs angefangen, die allerdings nie fertig geworden sind, weil die Lautwandel immer irgendwie unregelmäßig wurden.
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Re: Geliebte eigene Sprachen, Gehasste eigene Sprache

Post by Aeluro » Mon 17 Sep 2012, 21:58

Lustig finde ich gemischte Unterhaltungen in mehreren romanischen Sprachen lustig. Mir passiert es da aber immer wieder, dass ich der Lateinanteil zu groß wird. So könnte es in mittelalterlichen Klostern gewesen sein.
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Re: Geliebte eigene Sprachen, Gehasste eigene Sprache

Post by Egerius » Fri 10 Jan 2014, 20:45

Auch wenn die Wiederbelebung von Threadleichen verpönt ist...

Mein Problem mit (frühen) Zusammensetzungen ist, dass ich nicht weiß, ob [Velar] + [heller Vokal] palatalisiert oder nicht (ich spreche von meiner romanischen Kunstsprache Romanz).
Da ich weder eine sì- noch oïl-Sprache wollte (und okzitan.'òc' zu kurz ist), musste ich auf Komposition ausweichen und erschuf ein 'ja', das von HOC + EST abstammt (Homophonie steht mir nicht).

Das Problem ist jetzt, dass ich nicht weiß, ob nun [ɔk'ɛst] oder [ot͡ʃ'ɛst 'ɔt͡ʃest] hervorgeht.
Meine Lösung: Ich nahm an, dass die Bildung des Affirmativs relativ früh (etwa 2. - 3. Jahrhundert) geschieht, sodass die Palatalisation greift (da HOC ab dem 4. Jahrhundert im Vulgärlatein verlorengeht, passt das Schema auch).

Das Gute: ich kann die Bedeutung nach Betonungsweise differenzieren: [ot͡ʃ'ɛst] = 'ja', [ 'ɔt͡ʃest] = ' ja, genau das'.
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Re: Geliebte eigene Sprachen, Gehasste eigene Sprache

Post by Valosken » Sat 11 Jan 2014, 12:18

Ich fühle es ein bisschen. Meine Sprache ist mir so gut wie es sein könnte, aber das Gefühl besteht noch. Es ist wahrscheinlich eine menschliche Sache, immer unzufrieden zu werden.
First, I learned English.
Dann lernte ich Deutsch.
Y ahora aprendo Español.
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Re: Geliebte eigene Sprachen, Gehasste eigene Sprache

Post by Plusquamperfekt » Fri 17 Jan 2014, 15:50

Eigentlich wollte ich, dass Miwonša wie Lakhota klingt... herausgekommen ist etwas, was wie Polnisch mit Ejektiven klingt und viel zu vielen Zischlauten :mrgreen: Aber eigentlich mag ich das Ergebnis trotzdem
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Re: Geliebte eigene Sprachen, Gehasste eigene Sprache

Post by Creyeditor » Sat 18 Jan 2014, 01:04

Polnisch mit zu vielen zischlauten, das klingt interessant [;)]
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Re: Geliebte eigene Sprachen, Gehasste eigene Sprache

Post by Avo » Sat 18 Jan 2014, 10:54

Ich habe vor ungefähr einem Jahr meine erste "richtige" Sprache endgültig zu Grabe getragen. Es war die erste Sprache, bei der ich schon einiges Wissen über die Sprachen der Welt hatte und überhaupt wusste, wie Sprachen funktionieren. Sie hat mich einige Jahre begleitet und eigentlich hänge ich sehr an ihr, aber sie hat einen großen Makel den ich nicht überwinden kann.
Ich mag komplexe Verben und die Verben in den Kartwelsprachen kommen meinem persönlichen Ideal recht nah. Und je mehr ich über diese Sprachen (vor allem Lasisch und Georgisch) gelernt habe, desto mehr konnte ich auf meine Sprache übertragen. Leider wirkt das ganze, trotz recht vieler eigenen Eigenschaften, doch eher wie ein billiger Abklatsch auf mich. Um das ganze nochmal neu zu basteln fehlt mir allerdings die Energie und es kommt mir auch nicht richtig vor, immerhin stecken in der Sprache so viele Stunden Arbeit und irgendwie mag ich sie dann doch. Eine richtige Hassliebe eben.
Mittlerweile sehe ich sie dann eben als ein Stadium meiner "Sprachenbastler-Karriere" und lasse sie lieber in Würde sterben. Ich hab mittlerweile auch genug Projekte die mich mehr zufriedenstellen, ohne dabei existierende Sprachen kopieren zu müssen. [:)]
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Re: Geliebte eigene Sprachen, Gehasste eigene Sprache

Post by Creyeditor » Sat 18 Jan 2014, 19:22

Mein Beileid, aber du hast recht, so entwickelt man sich weiter [:)]
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Re: Geliebte eigene Sprachen, Gehasste eigene Sprache

Post by Plusquamperfekt » Thu 06 Mar 2014, 22:32

Creyeditor wrote:Polnisch mit zu vielen zischlauten, das klingt interessant [;)]
Also Polnisch hat sowieso zu viele Zischlaute, aber Miwonša ist noch ne Nummer härter :D
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Re: Geliebte eigene Sprachen, Gehasste eigene Sprache

Post by Creyeditor » Thu 06 Mar 2014, 22:34

Dann ist es wirklich hart [O.O]
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