"to conlang" - conlangen in Deutschland

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"to conlang" - conlangen in Deutschland

Post by xijlwya » Sat 06 Nov 2010, 14:44

Ich weiß, dass es so einen Thread schon auf dem alten Board gibt. Trotzdem möchte ich hier die Diskussion auch nochmal eröffnen. Außerdem wäre es toll, wenn wir ein paar deutschsprachige Quellen zum Thema "conlanging" sammeln könnten.

Ich finde, dass Conlanging - also Sprachbasteln, Spracherfinden, kreative Linguistik oder wie auch immer ihre es nennen wollt - in Deutschland nahezu unbekannt ist. Wenn man so ein Hobby hat, ist es schwer Gleichgesinnte oder Materialien zu finden. Und das in Zeiten des Internets! Ich denke, dass wir hier in diesen Foren (ich denke da auch an das ZBB und das 'alte' conlanger.com Forum) den Grundstein für sowas legen.
Doch im Moment muss man wirklich gut Englisch können um sich an Diskussionen zu beteiligen und die andern Threads, in denen zum Beispiel andere conlangs vorgestellt werden, zu verstehen. Das fachliche Niveau ist meiner Meinung nach auch sehr hoch. Man merkt das ja schon an den teilweise verschüchterten Einsteigern, die erst viermal darauf hinweisen, dass es auch ihr erster Versuch ist bevor sie etwas posten. Dementsprechend ist es wirklich schwer, als jemand, der nicht so gut Englisch kann, bzw. die Fachsprache nicht kennt, zu einem fruchtbaren Austausch zu kommen. Das finde ich schade, denn ich denke, dass es auch in Deutschland viele gibt, die sich mit conlanging und conworlding beschäftigen, aber bisher noch keine Plattform haben.

Was meint ihr dazu?
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Re: "to conlang" - conlangen in Deutschland

Post by Aszev » Sun 07 Nov 2010, 17:59

Ich weiß nicht ob du das gesehen hast, aber guitarplayer hat das ganzes Kit ins Deutsche übersetzt.

Persönlich stimme ich zu, dass es sehr wichtig ist, Englisch zu können. Es gibt ja aber Beispiele von Gruppen mit mehr oder weniger aktiven Foren auf anderen Sprachen (z.B. Französisch und Polnisch). Ich glaube nicht dass das Problem die Englische Sprache ist, oder dass Deutschland sehr Kunstsprachlerarm ist, eher dass es überhaupt nicht viele Personen gibt, die sich mit Kunstsprachen beschäftigen. Es ist ja auch ziemlich natürlich dass wir wenige sind, denn Conlanging ist ja ein sehr spezifisches Hobby, muss man ja zugeben (Das fachliche Niveau andererseits, kann sehr viel variieren, finde ich leider). Sicher hilft es den Englischsprachlern, dass all das Material schon auf Englisch ist, das ist (leider?) nur ein Kennzeichen unserer Zeit. Vielleicht ist das wichtiger als ich denken will, ich hab oft eine Tendenz den Widerstand gegen Englisch zu unterschätzen, ich kann mich auch gut vorstellen, dass er stärker in Deutschland als in Skandinavien ist.
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Re: "to conlang" - conlangen in Deutschland

Post by xijlwya » Mon 08 Nov 2010, 09:56

Ja, die Übersetzung des Kits kannte ich schon. Das ist finde ich ein sehr wichtiger Schritt in diese Richtung.

Es stimmt dass es ein recht spezielles Hobby ist, aber dennoch glaube ich, dass es Leute gibt die einfach keine Plattform haben und alleine vor sich hinbasteln. Und ich weiß, dass die Englische Sprache für viele Deutsche in meinem Alter, also 20-30 (ich bin 22), allgemein kein Problem darstellt. Dennoch wird es schwierig den fachlich doch teils recht hoch angelegten Diskussion zu folgen, da viele Vokabeln aus der Linguistik doch sehr speziell sind. Das verwehrt vielen potentiellen Conlangern den Zugang.
Ich selbst habe Probleme meine Sprachen auf Deutsch zu beschreiben, weil ich durch mein Anglistikstudium die gesamten Begriffe der Linguistik nur in English gelernt habe. Oftmals fehlt mir das Deutsche Äquivalent.
Du hast sicher recht, wenn die Benutzung des Englischen für solche Kontexte ein Zeichen unserer Zeit ist. Dennoch finde ich, dass es schade ist, dass den wenigen, die sich mit Kunstsprachen beschäftigen eventuell der Zugang zu solchen Communities durch die dort benutzte Sprache verwehrt wird.
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Re: "to conlang" - conlangen in Deutschland

Post by Aszev » Tue 09 Nov 2010, 17:50

Ich erkenne dieses Problem, aber selbst bin ich nicht mehr so viel davon gestört. Als ich anfing zu conlangen (oder wie man es nennen soll), hatte ich einige Sprachbücher auf Schwedisch, was mir ein bisschen geholfen hat. Es ist wahr das fast alles das man im Internet sieht auf Englisch ist, aber als das fing an ein Problem für mich zu sein, dann entschied ich mich dafür, alle Begriffe auch auf Schwedisch zu lernen. Das was manchmal ein bisschen extra Arbeit, aber am Ende war es das wert. Danach als ich mich ein bisschen Sprachpatriotisch fühlte, habe ich all mein Conlanging auf Schwedisch getan. Jetzt habe ich damit aufgehört, weil Englisch die Möglichkeiten Feedback zu kriegen so viel erhöht.
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Re: "to conlang" - conlangen in Deutschland

Post by Aszev » Tue 09 Nov 2010, 17:59

Das kann ich ja auch hier hinzufügen, dass eigentlich sind ja diese Foren in anderen Sprachen für Leute die auf seiner eigenen Sprache conlangen und darüber diskutieren wollen, aber das hat nicht sehr gut geklappt, weil die meisten nur glauben dass sie für Englischsprechende die anderen Sprachen lernen wollen sind.
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Re: "to conlang" - conlangen in Deutschland

Post by Guitarplayer » Tue 09 Nov 2010, 18:15

OK, Aszev hatte mich mehr oder weniger direkt um Rückmeldung gebeten...

Also es ist nicht so, dass es keine deutschen Kunstsprachler gäbe. Nur sind die – wie beobachtet – nicht allzu organisiert. Es gibt ein paar Leute auf Conlang-L, ein paar auf dem ZBB, ich bin auch schon auf Seiten von Leuten gestoßen, die überhaupt nicht in den gängigen Foren teilzunehmen scheinen. Für mich scheint es so, dass die Kunstspracherei auch in Deutschland darunter leidet, dass das es als verschrobene Spinnerei abgetan wird, und Conlanging ist sicherlich ein Geek-Hobby. Außerdem ist es nicht das verbreitetste Hobby... Da ist es schwieriger, Gleichgesinnte zu finden, als wenn es etwa um Fußball, oder sogar Schach geht. Ich möchte eine "deutsche Kunstsprachencommunity" à la Sai Emrys' LCS nicht forcieren, meine Übersetzung des LCKs habe ich aber trotzdem auch mit der Absicht gemacht, auf die Existenz einer Community von Kunstsprachlern hinzuweisen, und um den Einstieg für deutschsprachige Interessierte zu erleichtern. Nichtsdestotrotz gehen die meisten Links dort immer noch zu englischsprachigen Seiten, und auch zu den von Rosenfelder empfohlenen Büchern gibt es in der Regel keine Übersetzung. Es ist also wirklich ratsam, Englisch zu können. Allerdings schätze ich die Sache so ein, dass sich Leute, die sich fürs Kunstsprachen basteln interessieren, sowieso an Sprache ansich interessiert sind, eine halbwegs ausreichende Kenntnis des Englischen – zumal das hier in der Regel als erste Fremdsprache gelehrt wird – relativ wahrscheinlich ist, sodass es vielleicht nur darum geht, eine anfängliche Barriere zu überwinden. Leider ist es auch bei mir so, dass ich zunächst die ganzen linguistischen Fachbegriffe auf Englisch gelernt habe. Momentan belege ich extrakurrikular ein Proseminar "Einführung in die Linguistik des Deutschen", vielleicht hilft mir das auch, bisher unentdeckte Fehler auszumerzen, zumal das Seminar, soweit ich das sehen konnte, so ziemlich dasselbe abdeckt wie das LCK :-) Vielleicht kann ich auch eine eigene Literaturliste zusammenstellen, wenn ich es schaffen sollte, mal einen Blick in die Bücher zu werfen, die auf der Bibliographieliste zum Kurs stehen... Ich persönlich nehme eigentlich nur in englischsprachigen Foren zum Thema teil, hauptsächlich im ZBB, einfach weil da die Audienz größer ist, wie Aszev schon gesagt hat.

Was mich sehr interessieren würde, wäre, einmal von Lesern meiner LCK-Übersetzung zu hören, wie es ihnen damit geht und was sie zu der ganzen Sache denken, nur leider habe ich trotz etwa 100-150 Views pro Monat bisher keine entsprechende Rückmeldung erhalten. Wenn man nach "Sprachbaukasten" googlet, ist das Ergebnis was meine LCK-Übersetzung angeht auch eher mau. Obwohl: Dieses Jahr hat es in irgendeiner Grundschule in Zusammenarbeit mit der Uni Göttingen einen Kurs in einer Projektwoche gegeben, wo es um Kunstsprachen ging, das LCK und meine Übersetzung sind dort sogar verlinkt, aber darüber kommen auch nur etwa 1-2 Leute pro Monat auf meine Seite. Das meiste scheint durch Google reinzukommen bei Suchanfragen wie "Vokaltrapez" und irgendwelches doofes Zeug wie "Warum gibt es im Spanischen kein 'das'?". Und halt (neugierige? nicht unbedingt deutschsprachige?) Leute, die über zompist.com meine Übersetzung finden.

Mehr vielleicht später, jetzt hab ich die langweiligste Vorlesung der Woche...

EDIT: Außerdem das hier.
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Re: "to conlang" - conlangen in Deutschland

Post by r'Orliúr » Mon 07 Feb 2011, 18:56

Hallo zusammen,

Also ich muss wirklich sagen, dass mir deine Übersetzung des Sprachbaukastens sehr geholfen hat. Wie oben schon beschrieben gehöre ich zu der Generation, die eigentlich keine Probleme mit Englisch haben sollte und trotzdem fällt es mir schwer dem Fach-Slang zu folgen.
Ich hatte zwar vorher schon einmal angefangen mir eine Sprache auszudenken, aber der Sprachbaukasten war dennoch sehr hilfreich, gerade wenn es darum ging Schwerpunkte zu setzen.
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Re: "to conlang" - conlangen in Deutschland

Post by cedh » Wed 07 Sep 2011, 22:05

Auf dem Weltenbastler-Forum gab es vor ein paar Wochen eine engagierte Diskussion über ein eigenes Tutorial zum Sprachenbasteln, das als Ergänzung zum Sprachbaukasten gedacht ist.* Es wurde beschlossen, dafür ein Wiki anzulegen, auf dem bisher bis auf ein sehr ausführliches Inhaltsverzeichnis und drei vielversprechende, aber noch nicht fertige Artikel zwar noch nicht allzu viel steht, an dem alle interessierten und einigermaßen erfahrenen Sprachenbastler aber gerne mitarbeiten können. Wer Lust dazu hat, kann sich im entsprechenden Thread auf dem WB-Forum kurz vorstellen, mitdiskutieren und mitschreiben.

Angeregt durch dieses Projekt habe ich selbst begonnen, ein paralleles, praxisorientiertes Tutorial zu schreiben, das ich sowohl im WB-Forum als auch auf meinem Blog veröffentliche. Es geht dabei um eine Art "Live-Reportage", bei der man mir beim Entwickeln der nordamerikanisch inspirierten Sprache Tsemehkiooni zuschauen kann. Die bisher erschienenen Artikel sind die folgenden:
Kommentare und Feedback sind natürlich jederzeit willkommen.


*) Der SBK, dessen deutsche Übersetzung ich übrigens korrekturgelesen habe, ist und bleibt ein erstklassiger Start. Einige Leute im WB-Forum fanden ihn aber ein bisschen einseitig und zu voraussetzungsvoll. Der Plan ist dementsprechend, mehr theoretische und empirische Grundlagen aus der Linguistik einzubauen und Dinge genauer zu erklären. Wenn der angedachte Aufbau so umgesetzt werden kann, könnte das Ergebnis ziemlich gut werden...
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Re: "to conlang" - conlangen in Deutschland

Post by Guitarplayer » Mon 12 Sep 2011, 18:20

cedh wrote:Der SBK, dessen deutsche Übersetzung ich übrigens korrekturgelesen habe
Wirst dafür auch in den Credits erwähnt :-)

Auf meiner Seite hab ich ja auch einen Blog-Teil, wo ich ab und zu mal was über Lücken in meiner Grammatik, über ich gestolpert bin, schreibe, oder sonst meinen Senf verbreite ;-) Nur halt alles auf Englisch. Zwei essayistische Artikel daraus, die bisher über 100 Zugriffe hatten, hab ich vor kurzem auch ins Deutsche übersetzt, wozu das auch immer gut sein mag. Auf Linguisten.de scheint es außerdem die ein oder andere Person zu geben, die sich fürs Sprachenbasteln interessiert oder es zumindest als nette Spielerei, im besten Fall mit (auto-)didaktischem Nutzen, betrachtet.
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Re: "to conlang" - conlangen in Deutschland

Post by Creyeditor » Sun 23 Sep 2012, 18:29

Aszev wrote:Ich weiß nicht ob du das gesehen hast, aber guitarplayer hat das ganzes Kit ins Deutsche übersetzt.
So bin ich zum Conlangen gekommen. Vielen Dank [:)]
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Re: "to conlang" - conlangen in Deutschland

Post by Creyeditor » Wed 05 Mar 2014, 00:56

Entschuldigt den Doppelpost, aber ich dachte mir, ich kann hier nochmal darauf aufmerksam machen, dass es das "Conlang Manifesto" auch auf Deutsch gibt.
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