Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertums

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Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertums

Post by Creyeditor » Wed 26 Feb 2014, 04:46

Hey Leute,
ich habe hier eine kurze Übersicht über verschiedene Strömungen, also sozusagen Kunsstile des Sprachbastlertums zusammengestellt. Die Aufzählung ist aber wahrscheinlich weder gänzlich korrekt noch vollständig. Was denkt ihr? Was habe ich vergessen? Was sollte ich ändern? Was kann man weglassen?
Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertums

Mystizismus (ca. 1200-1800)
Sprachbasteln als göttliches/magisches Instrument um die Urwahrheiten der Welt herauszufinden oder besser ausdrücken zu können.
Beispiele: Lingua Ignota (Hildegard von Bingen, ca. 1200), Enochian (John Dee, ca. 1700), Solresol (François Sudre, 1817)?

Aufklärung (ca. 1600-1800)
Sprachbasteln als ein Mittel, die Welt zu ordnen bzw. eine Sprache zu schaffen, die die Welt nach logischen Kriterien ordnet. Vorgänger des Formalismus.
Beispiele: Real Character (John Wilkins, 1668)

Funktionalismus (ca. 1879-1951)
Sprachbasteln, als eine Möglichkeit eine einfache/international benutzbare und lernbare Sprache zu schaffen, die die Kommunikation (auf der ganzen Welt) vereinfacht.
Beispiele: Volapük (Johann Martin Schleyer, 1879), Esperanto (Ludwik Lejzer Zamenhof, 1887), Interlingua (International Auxiliary Language Association, 1951)

Politizismus (ca. 1900-2000)
Sprache, als ein Mittel des politischen Ausdruck, z.B. der Unabhängigkeit oder als Ausdruck einer bestimmten Weltanschauung.
Beispiele: Talossan (Robert Ben Madison, 1980), Toki Pona (Sonja Elen Kisa, 2000)

Klassik (ca. 1900-2000)
Sprachbasteln, als ein Mittel um etwas wahrhaftiges, schönes zu schaffen. Diese Schönheit kann dabei durchaus subjektiv sein, verlässt sich jedoch meist auf die durchschnittliche Sonorität der Sprache. Vorgänger des Naturalismus.
Beispiele: Sindarin (John Ronald Reuel Tolkien, ca. 1915-1973), Quenya (John Ronald Reuel Tolkien, ca. 1910-1973)

Formalismus (ca. ab 1960)
Sprachbasteln, als Umsetzung einer bestimmten logischen oder formalen Idee.
Beispiele: Lojban (Logical Language Group), Fith (Jeffrey Hennings)

Naturalismus (ca. ab 1970)
Sprachbasteln, als eine Möglichkeit die Komplexität natürlicher Sprachen nachzuahmen und zu verstehen. Oft im Medienkontext genutzt.
Beispiele: Na'vi (Paul Frommer), Dothraki (David J. Peterson)
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Aszev » Wed 26 Feb 2014, 12:51

Die wichtigste Scheidelinie wäre nach mir die zwischen dem 'Funktionalismus' der 1800er und früheren 1900er Jahre auf der einen Seite, und der Artistik der späteren 1900er und 2000er Jahre. Da das Kunstsprachbauen anfing war ja internationale Kommunikation die Schwerpunkt, und später leitete das über in das Konstruieren von eher natürlichen Kunstsprachen, die heute öfter zu sehen sind.
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Creyeditor » Wed 26 Feb 2014, 15:00

Ja, stimmt, der berühmte "Artlang-Auxlang-Split", das größte Ereignis in der Geschichte des Sprachbastlertums. Ich glaube aber ehrlich gesagt, dass Sprachbasteln, fast zu jeder Zeit in einem gewissen Maße eine künstlerische Angelegenheit war, oder?
Artistik wäre dann ja ein Überbegriff für mindestens zwei verschiedene Stile in dem obenstehenden Schema, also mindestens für 'Klassik' und 'Naturalismus'.
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Aszev » Thu 27 Feb 2014, 02:42

Creyeditor wrote:Ich glaube aber ehrlich gesagt, dass Sprachbasteln, fast zu jeder Zeit in einem gewissen Maße eine künstlerische Angelegenheit war, oder?
Jo, einigermaßen, muss man ja sagen [:)]
Creyeditor wrote:Artistik wäre dann ja ein Überbegriff für mindestens zwei verschiedene Stile in dem obenstehenden Schema, also mindestens für 'Klassik' und 'Naturalismus'.
Das ist so ungefähr woran ich dachte. Dazu konnte man auch deine "Politizismus"-Kategorie zählen. Das hängt aber vielleicht ein bisschen vom Ziel ab.
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Lambuzhao » Thu 27 Feb 2014, 06:50

Wo könnte die Formosasprach von Psalmanazar (1704) gehen?

http://de.wikipedia.org/wiki/George_Psalmanazar
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Creyeditor » Thu 27 Feb 2014, 10:02

Lambuzhao wrote:Wo könnte die Formosasprach von Psalmanazar (1704) gehen?
Das ist schwierig. Vielleicht bräuchte er seine eigenene Kategorie "Egoismus"? [;)]
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Lambuzhao » Thu 27 Feb 2014, 18:18

Egoismus?
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Plusquamperfekt » Thu 06 Mar 2014, 22:31

Creyeditor wrote: Naturalismus (ab 2000)
Sprachbasteln, als eine Möglichkeit die Komplexität natürlicher Sprachen nachzuahmen und zu verstehen.
Beispiele: Na'vi (Paul Frommer), Dothraki (David J. Peterson)

Wow, ich bin Naturalist... ehrlich jetzt, ohne dass ich mir dessen bewusst war! [O.O]
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Creyeditor » Thu 06 Mar 2014, 22:33

Ich denke, dass sind die meisten von uns [;)]
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Plusquamperfekt » Thu 06 Mar 2014, 22:39

Creyeditor wrote:Ich denke, dass sind die meisten von uns [;)]
Aber das bringt mich zu einer anderen, etwas philosophischen Frage...

Waren sich die Schriftsteller, Maler, Philosophen, Architekten usw. eigentlich immer dessen bewusst, dass man ihr Schaffen irgendwann einem ganz bestimmten Zeitgeist bzw. einer ganz bestimmten Ästhetik zuschreiben würde, die in einer zeitlich begrenzten Epoche vorherrscht?! Ich meine... haben alle Renaissance-Künster oder alle Aufklärer gewusst, dass die in der Renaissance bzw. in der Aufklärung leben?! Oder hat man ihren dieses Prädikat erst lange nach ihrem Ableben zugewiesen, sodass Epocheneinteilungen grundsätzlich ein bisschen "konstruiert" wären?!
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Creyeditor » Thu 06 Mar 2014, 22:43

Da hast du recht. Das konnten die wenigsten vorhersagen.
Aus der (zeitlichen) Distanz kann man das wohl alles leichter einteilen.
Wobei manche Künstler sich ja schon einer Strömung zugehörig fühlen, nur lagen sie manchmal aus heutiger Sicht "falsch" [:D]
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Egerius » Thu 06 Mar 2014, 23:32

Plusquamperfekt wrote: Wow, ich bin Naturalist... ehrlich jetzt, ohne dass ich mir dessen bewusst war! [O.O]
Ich teilweise auch... zumindest soll Romanz eine eher naturalistische Sprache (bzw. Dialektkontinuum) sein, keine Hilfssprache, wie Anfangs (Ende 2011) geplant.

Das mit der zeitlichen Distanz stimmt. Jede einzelne Epoche kann schließlich nur aus vergangenen Strömen schöpfen, die aus der (jeweils) gegenwärtigen Situation betrachtet und geordnet werden, oder?
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Creyeditor » Thu 06 Mar 2014, 23:38

Ja, so sehe ich das aus. Gehören solche Überlegungen eigentlich in den Bereich der Kunstphilosophie?
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Egerius » Wed 19 Mar 2014, 00:39

Creyeditor wrote:Ja, so sehe ich das aus. Gehören solche Überlegungen eigentlich in den Bereich der Kunstphilosophie?
Solange man Sprachkonstruktion als Kunstform anerkennt, dann ja (und wer sich in Con-Poesie versucht, übt eh Kunst aus!). Obwohl, ich habe nach 2 Jahren Philosophie in der Oberstufe trotzdem keine Ahnung davon. Egal.
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Tanni » Tue 05 Apr 2016, 08:34

Paßt vielleicht nicht ganz hierher:

http://www.sprachforschung.org/ickler/i ... =783#32184:
Theodor Ickler wrote:Für Computerspiele hat man ein „Protoindoeuropäisch“ konstruiert und dann mundgerecht gemacht. (Bericht in der FAZ 5.4.16). „Und dann mussten die Kehllaute beseitigt werden, mit denen protoindoeuropäische Sätze geradezu gepflastert sind.“ Gemeint sind die Konstrukte der Laryngaltheorie, über deren phonetische Qualität, falls sie überhaupt existiert haben, nur spekuliert werden kann. Aber „Kehllaute“ passen natürlich ins Klischee einer primitiven Sprache. Das Protoindoeuropäisch starb auch nicht um 4500 v. Chr. aus, wie es heißt, sonst könnte es nicht aus seinen „Nachfahren“ rekonstruiert werden. Das Weiterleben einer Sprache besteht ja gerade darin, Nachfahren zu haben, sich also immer weiter zu verändern.
Die Sprachbastler haben auch Schleichers berühmte indogermanische Fabeln laryngalistisch überarbeitet.
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by WeepingElf » Thu 07 Apr 2016, 15:30

Zu Creyeditors Zeitlinie habe ich ein paar Anmerkungen.

Was er "Funktionalismus" nennt, kann man besser als "klassische Ära der Welthilfssprachen" bezeichnen, und reicht genauer von 1879 (Veröffentlichung des Volapük) bis 1951 (Veröffentlichung der Interlingua der IALA).

Tolkien gilt heute als Klassiker, zu Lebzeiten war er aber eher ein Einzelgänger. Er mochte es nicht sonderlich, als Fantasy-Autor bezeichnet zu werden, weil seine Werke sich doch sehr stark von den damals unter "Fantasy" laufenden Sword-&-Sorcery-Geschichten à la Conan unterscheiden. Vor allem aber gibt es kaum andere Autoren seiner Zeit, die mit derselben Akribie und Leidenschaft die Sprachen ihrer Welten ausarbeiteten. (Zu jener Zeit erkundeten zwar SF-Autoren wie R. A. Heinlein, Jack Vance und Samuel Delany die gesellschaftlichen Konsequenzen speziell aufgebauter Sprachen unter der Annahme, dass die Sapir-Whorf-Hypothese in einer starken Form zutrifft, aber zumeist ohne die betreffenden Sprachen auch tatsächlich zu bauen.)

Andererseits war Tolkien aber auch wieder der Startpunkt dessen, was wir heute die "naturalistische Schule" nennen. Er zog viele Nachahmer nach sich, die sich von Quenya, Sindarin & Co. veranlasst sahen, ebenso detaillierte und realistische Sprachen zu bauen. Das bedeutet, dass der "Naturalismus" schon vor 2000 losging, wahrscheinlich schon in den 1960er Jahren. In den 70ern z. B. haben wir schon das Tsolyani von M. A. R. Barker. Die Anfänge des Verdurischen (Mark Rosenfelder) liegen in den 80er Jahren. In den 90ern kamen dann solche Klassiker des Naturalismus wie Andrew Smith's Brithenig.

Und schließlich ist der Naturalismus auch heute nicht so dominant, wie es in Foren wie diesem oder dem ZBB erscheinen mag. Schaut mal in die CONLANG-Mailingliste, da sind ziemlich viele Leute unterwegs, die "Engelangs" bauen (hierfür habe ich noch keine griffige deutsche Bezeichnug gefunden), die alles andere als naturalistisch sind. In der Tat habe ich manchmal den Eindruck, dass der Naturalismus seinen Zenit schon wieder überschritten hat, aber das mag täuschen.
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Creyeditor » Tue 26 Apr 2016, 08:50

Ich finde die beiden Kritikpunkte durchaus angebracht. Zum Einen setzt grade eine Kommerzialisierung ein, die aber vor allem den Naturalismus zu betreffen scheint.
Vielleicht kann man die Klassik des Tolkien als Vorstufe zum Naturalismus sehen, die ja diese Einbettung in den Medienkontext schon vorweg nimmt. Und danke für die Info, dass das früher anfängt. Altlanging gehört natürlich auch zum Naturalismus.

Zum anderen Engelangs. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass sich Engelanging und Naturalismus unbedingt widersprechen müssen. Man kann auch aus einem naturalistischem Standpunkt die logischen Grenzen von Sprachen austesten. Aber natürlich gibt es auch viele nicht naturalistische Engelangs. Was wäre denn das Ziel der meisten Engelanger? Es ist nicht das gleiche wie bei philosophischen Sprachen, oder?
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by WeepingElf » Tue 26 Apr 2016, 18:07

Ich bin mir auch nicht völlig sicher, ob Engelangs und Naturalismus unvereinbar sind, aber die meisten Engelangs enthalten Dinge, die es in natürlichen Sprachen wahrscheinlich nicht gibt (Du weißt schon, ANADEW ...). Die Ziele der Engelangs sind sehr vielfältig. Eine große Untergruppe sind die logischen Sprachen wie Loglan und Lojban, die auf Systemen formaler Logik basieren. Andere Engelangs sind z. B. Jeffrey Hennings Fith, dass auf einem Stapelspeicher (engl. stack) basiert, Sprachen mit selbsttrennender (engl. self-segregating) Morphologie (in denen man die Morphemgrenzen mittels einer einfachen Regel erkennen kann), oder oligosynthetische Sprachen. Die Möglichkeiten sind grenzenlos.
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by Creyeditor » Tue 26 Apr 2016, 22:05

Vielleicht geht es um die Umsetzung einer bestimmten logischen oder formalen Idee innerhalb einer Sprache?
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Re: Verschiedene historische Strömungen des Sprachbastlertum

Post by WeepingElf » Wed 27 Apr 2016, 19:28

Creyeditor wrote:Vielleicht geht es um die Umsetzung einer bestimmten logischen oder formalen Idee innerhalb einer Sprache?
Ganz genau! Und die besten Engelangs sind meiner Meinung nach diejenigen, die eine Idee konsequent umsetzen, statt die Sprache mit allerlei verschiedenen Ideen zu überfrachten.
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